• Sternstunde für das Unternehmen: Bikar produzierte Aluminium und andere NE-Metalle für die Raumsonde Rosetta

    "Material pünktlich abgeliefert!" - Auch in der Landeeinheit Philae steckt Metall, das in Wittgenstein vor vielen Jahren hergestellt wurde.

    Ein Material wie dieses, auf das Konstantin Bikar zeigt, steckt auch in der Raumsonde Rosetta und in der Landeeinheit Philae, die vorgestern nach über zehnjähriger Reise auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko angekommen ist. (SZ-Foto: Björn Weyand)

     
    Raumland. (bw)
    Konstantin Bikar stand auch gestern noch die Freude ins Gesicht geschrieben. Am Nachmittag zuvor hatte der Geschäftsführer des Raumländer Unternehmens auf gleich drei TV-Sendern parallel, wie er berichtete, die Landung der Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko verfolgt. Ein spektakuläres und weltweit beachtetes Ereignis, das für Konstantin Bikar aus gutem Grunde von großem Interesse war, denn die Bikar Metalle GmbH mit Stammsitz in Bad Berleburg lieferte Material für die Raumsonde Rosetta und für die Landeeinheit Philae. Das hatte das Unternehmen bislang nicht groß kommuniziert: "Wir wollten natürlich erstmal sehen, dass das Ding auch landet." Daher sei die Spannung groß gewesen, die jedoch um Punkt 17.03 Uhr der großen Begeisterung wich: Philae, liebevoll "Kühlschrank" genannt, war gelandet, wobei das Signal 28 Minuten benötigte, um die Entfernung von rund 500 Mill. Kilometern bis zur Erde zurückzulegen. So konnte Konstantin Bikar seinem Bruder Aleksandar melden: "Material pünktlich abgeliefert!"

    Dieser Screnshot aus einem Video zeigt eine simulierte Landung von Philae auf dem Zielkometen Tschurjumow-Gerassimenko. Metalle für das Minilabor lieferte die Raumländer Firma Bikar. (Foto: ESA/ATG medialab/dpa)

    Das Unternehmen liefert schon seit vielen Jahren Material ans Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen, für die Rosetta-Mission nun unter anderem Aluminiumplatten für das Gehäuse und auch für den Bohrer der Landeeinheit, die nun auf dem Kometen ist. "Das ist Material, das hier bei den Leuten in Wittgenstein in den Händen war", stellte Konstantin Bikar gestern die Tragweite dieses Projektes klar. Natürlich seien es keine großen Mengen, die von Bikar ins Weltall geschickt wurden. Doch das Metall – neben Aluminium auch Kupfer und Messing – hat bestimmte Kriterien zu erfüllen. "Das sind spezielle Legierungen", erläuterte der Geschäftsführer, "eben kein Material von der Stange." Die Metalle müssten leicht sein, "die ganze Einheit wiegt ja nur 100 Kilogramm". Wichtig sei aber auch eine hohe Festigkeit bei gleichzeitiger Elastizität, "es handelt sich um einen hauchdünnen Bohrer, der natürlich nicht brechen darf", verriet Bikar, der sich die Eins-zu-Eins-Kopie der Raumsonde Rosetta bereits anschauen durfte. Anhand der Kopie hat die ESA immer eine Möglichkeit, die Sonde genau unter die Lupe zu nehmen.

    Das Original legte seit dem Start am 2. März 2004 rund 6,5 Mrd. Kilometer zurück. Das Material, das heute auf dem Kometen ist, hat Wittgenstein also bereits vor rund 15 Jahren verlassen und die Entwicklung des Projekts startete sogar beriets im Jahr 1992. Diese langen Zeiträume faszinieren Konstantin Bikar, wie er offenbarte. "Das Ganze so punktgenau zu planen, auf diesen Distanzen – das ist unglaublich." Dass das vor vielen Jahren bestellte Material für genau diese noch nie dagewesene Mission bestimmt war, habe das Unternehmen übrigens erst später erfahren. Eine Premiere ist die Beteiligung an einer Raumfahrtmission für Bikar Metalle aber nicht: Auch an einer Marssonde war beispielsweise schon Material des Unternehmens verbaut. "Und da soll noch einer sagen, dass es hier bei uns in Wittgenstein nicht floriert", hob der Unternehmer hervor, "wir haben hier eine super Struktur." Für die Bikar-Gruppe arbeiten an drei Produktionsstandorten derzeit rund 280 Beschäftigte. Für das Unternehmen ist die Beteiligung an diesem einmaligen Projekt "eine Sternstunde".

    Von Björn Weyand

    Quellennachweis

    Das Textmaterial wurde uns freundlicherweise von der Siegener Zeitung (SZ) zur Verfügung gestellt.

    Fotos: Björn Weyand und ESA/ATG medialab/dpa

    Siegener Zeitung (SZ)
    SZ-Ausgabe vom 14. November 2014
    Internet www.siegener-zeitung.de

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